
Am 20. April 10 um 21.55 Uhr Ortszeit entweicht eine Gasblase dem Bohrloch der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko, entzündet sich an der Oberfläche in einem 75 m hohen Feuerball und löst auf der Ölplattform eine enorme Detonation aus. 11 der 126 Crewmitgliedern sterben, seitdem strömen aus drei Lecks bis zu geschätzten 3.000 Tonnen Öl täglich ins Meer, unzählige Großsäuger wie Delphine und Wale verenden wie ihre sonstigen Artgenossen im Golf von Mexiko, Ende April erreicht das Öl das einzigartige Mississippi-Delta und vergiftet die Küstenregionen, am 31. Mai wird der Katastrophenzustand für die Fischerei in Louisiana ausgerufen, die 40 % des Fischbedarfs in den USA deckt und BP-Chef Tony Hayward soll nach einem Zitat im deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel bereits Mitte Mai die Folgen der von seinem Konzern zu verantwortenden Katastrophe wie folgt festgestellt haben:
"Der Ölteppich sei relativ winzig im Vergleich zum sehr großen Ozean"
Diese Aussage zu kommentieren, fällt schwer, daher die Chronik der Ereignisse:
12.08.10
BP scheint seine geplanten Tiefseebohrungen vor der Küste Lybiens im Mittelmeer aufgrund der aktuellen Situation und insbesondere Protesten aus den USA anscheinend etwas verschieben zu wollen, bis die Katastrophe im Golf von Mexiko nicht mehr so im öffentlichen Focus steht. Das ist wäre erst dann wieder der Fall, wenn es ein Desaster im Mittelmeer auf die Titelseiten der Medien schafft...
05.08.10
Nach Angaben von BP ist es gelungen, durch das Einbringen von Schlamm den Druck des Öls durch den hydrostatischen Druck des Schlamms zu kompensieren, so dass jetzt mit einer Versiegelung durch Zement begonnen werden kann. Zusammen mit den weiterhin vorgesehenen Entlastungsbohrungen kann also davon ausgegangen worden, dass ab jetzt endlich kein Öl mehr in den Golf von Mexiko austritt. Die Schätzungen über die insgesamt ausgelaufene Menge schwanken genauso (700 Millionen Liter können als Durchschnittswert nicht so falsch sein), wie die Frage, wieviel Öl bereits abgesaugt, abgebaut oder sonstwie zersetzt ist.
16.07.10
BP gibt bekannt, dass zurzeit - erstmals seit dem 20. April - kein Öl durch den aufgebrachten Trichter mehr austritt, betont aber auch, dass dies keine endgültige Lösung sein kann, da nicht bekannt sei, welchem Druck der aufgebrachte Trichter standhält.
15.07.10
Der Zylinder scheint Tests nicht standzuhalten, so dass eine wesentliche Eindämmung des Ölflusses nicht zu erwarten ist. Die Schätzungen des seit dem 20. April ausgelaufenen Öls schwanken zwischen 350 und 690 Millionen Litern Öl.
13.07.10
Im Rahmen des Projekts Top Hat 10 gelingt es, einen neuen Zylinder über der Austrittsstelle anzubringen, so dass es scheint, dass der Ölfluss größtenteils gestoppt ist. Dies ist jedoch nur eine Übergangslösung mit ungewisser Standfestigkeit, gewartet wird daher immer noch auf das Ergebnis der beiden Entlastungsbohrungen, welches für August vorhergesagt wird. Währenddessen verliert die US-amerikanische Regierung auch das Berufungsverfahren bezüglich des ersten Moratoriums zum Verbot von Tiefseebohrungen ("wenn ein Flugzeug abstürzt, kann der Flugverkehr nicht verboten werden"; so anscheinend die abstruse Begründung des Gerichts), bringt aber ein zweites Moratorium auf den Weg. Und währenddessen transportiert Fedex Schildkröteneier von den Stränden am Golf zu den Stränden am Atlantik in der Hoffnung, zumindest Teile der Populationen zu retten. Wo ist eigentlich Thelma.......?
08.07.07
In dem Kindermagazin des Spiegel, Dein Spiegel findet sich in der Juliausgabe eine anrührende Kindergeschichte, nur handelt es sich weder um Bambi oder Nemo, sondern die Atlantik-Bastardschildkröte Thelma. Zitat: "Die meiste Zeit schwimmt sie im warmen Wasser des Golfs von Mexiko umher, immer auf der Suche nach einer schmackhaften Krabbe oder Muschel. Zwischen April und Juli robbt sie an den Strand, um ihre Eier abzulegen." Nun - der Hintergrund ist der, dass Thelma bereit einmal 1979 vor einer explodierenden Bohrinsel im Golf von Mexiko gerettet wurde (siehe auch unten stehende Meldung vom 19.06.10). Nur befand sie sich damals noch in ihrem Ei, welches dann per Luftfracht an einen sauberen Strand befördert wurde. Später wurde Thelma dann mit einem Peilsender ausgestattet, um die Lebensgewohnheiten dieser äußerst seltenen Spezies zu erforschen. Nach den Angaben von Deinem Spiegel befindet sich Thelma noch in einem Meeresgebiet, welches nicht verölt ist, doch ist die Zeit der Wanderschaft gekommen und damit die große Wahrscheinlichkeit, dass sie mit den Strömungen in die ölverseuchten Meeresgebiete schwimmt, in denen Sie dann eingehen wird - ein nettes Ende für eine Kindergeschichte.....
06.07.10
Auch wenn die Fussballweltmeisterschaft die gesamte öffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen scheint - im Golf von Mexiko sprudeln immer noch Tausende Tonnen Öl täglich ins Meer und der Schaden an Fauna und Flora ist nicht mehr zu überblicken. Der russische Physiker Victor Michailow schlägt derweil vor, zehn Kilotonnen Nuklearsprengstoff einzusetzen, dann wäre "das Problem gelöst". Nichts gegen die grundsätzliche Red Adair'sche Vorgehensweise eines Blow out, aber wenn sämtliche Atomstaaten der Welt ihre Lang- und Mittelstreckenraketen atomar bestückt auf die Reise schicken würden, wäre das Problem auch gelöst. Es gäbe dann nämlich niemanden mehr, der sich über eine Ölkatastrophe aufregen könnte.
28.06.10
Nachdem am 22.06.10 das Moratorium der US-amerikanischen Regierung über das Verbot von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko von einem Bundesrichter in New Orleans aufgehoben wurde und sich die Regierung entschloss, von dem Rechtsmittel der Berufung Gebrauch zu machen, wird in der Nordsee vor der Küste Schottlands anscheinend das größte Ölvorkommen der letzten 10 Jahre gefunden. Vielleicht sollte sich das Unternehmen BP, dem es immer gelingt, an den Grenzen von Technik und Geologie zu operieren (siehe unten), bewerben, um noch einmal von kleinauf mit Bohrungen unter Wasser anzufangen, doch würde dies kaum etwas ändern: Welche Gesellschaft in welcher Tiefe auch Bohrungen durchführen mag - Ölunfälle, egal welche und in welchem Umfang auch immer (siehe nochmals unten) - sind vorprogrammiert....
22.06.10
Mitbewerbern von BP kann ein derartiges Unglück natürlich niemals passieren....
Ursache und Umfang eines wohl im Norden des Roten Meeres stattgefundenen Ölunfalls auf einer Bohrplattform sind noch nicht bekannt, ebenso nicht nicht der Name der verantwortlichen Betreibergesellschaften.
19.06.10
Es hilft zwar weder der Fauna noch Flora des Mississippi-Deltas oder den Meeresbewohnern selbst, doch sorgt sich BP um seine Aussendarstellung und entzieht Tony Hayward die Verantwortung für das sog. Krisenmanagement. Und dann tauchen immer mehr Stellungnahmen von den lieben Mitbewerbern von BP auf, die klarstellen, dass all den Exxons, Shells und Chevrons ein derartiges Desaster natürlich nicht passieren kann. Natürlich nicht - Herr Exxon erhält nächstens den Nobelpreis für das Auffinden und Unschädlichmachens des Genoms, welches zum Beispiel für menschliches Versagen zuständig ist. Um es klarzustellen: Off-shore-Bohrungen in der Tiefsee sind äußerst risikoträchtig und kaum kontrollierbar. Und nicht zu vergessen - es gab bereits eine gleichartigen Ölunfall vor der Küste Mexikos und einen Beinahe-Unfall in der Nordsee. Daher sei folgende These erlaubt: Wer Off-shore-Ölbohrungen zum heutigen Zeitpunkt zulässt, ohne ein erprobtes, bewährtes und standfestes Sicherheitsmanagement mit mehreren Alternativen (ein einziger Scherverschluss reicht nicht aus) vorzugeben, nimmt grundsätzlich eine Umweltkatatstrophe, wie sie jetzt geschehen ist, billigend in Kauf. Juristen sprechen dabei von bedingtem Vorsatz.
18.06.10
Insgeheim könnte sich BP-Chef Tony Hayward bei einer erneuten Anhörung vor einem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses gedacht haben, dass er im Grunde doch Recht gehabt hat und nur nach außen hin zerknirscht erscheinen muss. Während dieser Anhörung wurde nämlich erklärt, dass noch insgesamt ca. 7 Milliarden Liter Öl während der nächsten Jahre austreten könnten, wenn der Verschluss der Quelle nicht gelingt, da dies wohl dem Volumen des Vorkommens entspricht. Und wenn dann also ganz grob von mindestens 3 Trillionen Litern Meerwasser in allen drei Ozeanen ausgegangen wird, würde das Öl also gerade einmal einen 0,0000002%igen Anteil erreichen. Und das ist doch 'wirklich mal winzig im Vergleich zum sehr großen Ozean.'
14.06.10
Die bislang geschätzte Menge von ausgetretenem Öl scheint erheblich überschritten worden sein. Soweit bislang von 3.000 Tonnen Öl täglich ausgegangen werden konnte, scheint tatsächlich eine Tagesmenge von über 5.000 Tonnen ausgetreten zu sein. Wie hoch aktuell der tatsächliche Ölaustritt ist, lässt sich sicher nicht feststellen. Die Angaben über die Teilmengen, die BP zurzeit anscheinend über einen Trichter abfangen und abpumpen kann, differieren.
07.06.10
Verschiedene Computersimulationen zeigen die mögliche künftige Ausbreitung der Ölfelder um Florida herum in den Antlantik, dem Golfstrom folgend...
06.06.10
Während der nächste BP-Versuch scheitert und in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Kommentar mit dem Inhalt erscheint, dass derartige technische Katastrophen Vorbedingung jedes Fortschritts seien (es wurde tatsächlich nicht das geringste Fünkchen von Ironie in diesem Kommentar gefunden) treiben kilometerlange winzige (um in den Worten des BP-Vorstandsvorsitzenden zu bleiben) Ölfelder in Hunderten von Metern Tiefe durch den Golf der Küste von Mississippi und Louisiana entgegen. Betroffen sind natürlich in erster Linie sowieso schwache Populationen, wie die des Blauflossenthun, dessen einzige Laichplätze in dem betroffenen Gebiet zu finden sind. Dramatisch ist die Sauerstoffzehrung durch die das Öl abbauenden Bakterien - die überlebenden Fische drohen zu ersticken. Nachhalting zerstört ist das riesige Mangrovengebiet an den Küsten, Kinderstube tausender Vögel, Krebstieren, Fischen und Reptilien. Gesamte Nahrungsketten werden von Beginn an unterbrochen. Helfer, die die betroffenen Gebiete vom Öl reinigen sollen, richten mittlerweile durch ihr Auftreten Schäden in nocheinmal der gleichen Größenordnung an, wie das Öl selbst....
03.06.10
Die Medien berichten, dass BP sich Sachverstand ins Haus holt, indem James Cameron eingeladen worden sein soll, das Problem zu lösen, in 1500 Metern Tiefe ein Bohrloch zu schließen. Sollte diese Meldung zutreffen, weckt dies nun einmal so richtig Vertrauen in die Kompetenz des UNternehmens von BP - als letzter Rettunsanker wird ein Filmregisseur aus Holywood geholt, der es geschafft hat, die Titanic in 4000 Metern zu filmen. Das ist eine Empfehlung...
02.06.10
Jedenfalls bricht, und dies könnte als gute Nachricht verstanden werden, der Aktienkurs von BP immer mehr ein und notiert in Frankfurt mit dem Schlusskurs von EUR 5,17; immerhin rund 35 % unter dem Kurs Anfang April. Übrigens - BP kann in Deutschland nur an wenigen Tankstellen (die alleine zur Aufrechterhaltung der Marke betrieben werden) boykottiert werden. Die deutsche ARAL ist eine hundertprozentige Tochter von BP; dies nur zur Information.
30.05.10
Der nächste Versuch, das Bohrloch in 1500 Metern Tiefe mit Schlamm, Zement und zerstoßenen Golfbällen zu verschließen scheitert trotz des großartigen Wortungetüms 'Topkill', was wohl soviel heißen soll wie 'tötender Deckel'...
08.05.10
Der erste, ernsthafte Versuch von BP, der Gesellschaft, dessen "Stärke nach eigener Aussage darin besteht, an den Grenzen von Technik und Geologie zu operieren bei Objekten, die nur wenige angehen können", das Leck mittels einer Stahlkuppel zu schließen, scheitert.
20.04.10
Nach der Explosion versucht die Crew den sog. Blowout Preventer auszulösen. Dies ist ein Scherverschluss, der das Rohr notfalls seitlich durchtrennen und verschließen soll. Dieser Versuch scheitert, wobei diskuitiert wird, dass Schäden an diesem letzten (und wohl einzigem!) Notnagel,eine Katastrophe abzuwenden, bereits seit Mitte Februar sowohl BP als auch dem Betreiber der Plattform und Auftragnehmer von BP, der Firma Transocean bekannt sind. Eine Reparatur hätte zweifellos Geld gekostet...